Worte 5 Min. Lesezeit

Schreib, wie du redest — und andere Regeln, die wirken

Fünf Regeln aus der Schreibwerkstatt. Druck sie aus, kleb sie über deinen Schreibtisch — sie funktionieren auch ohne mich.

Nicole Brühmann
Nicole Brühmann
7. Juni 2026 · Content & Words

Am Anfang steht fast immer dieselbe Blockade: Du setzt dich hin, um einen Post, eine Seite, eine Mail zu schreiben — und plötzlich klingt jeder Satz nach Behörde. Steif, glatt, irgendwie nicht nach dir. Du löschst, formulierst um, löschst wieder. Eine Stunde später ist der Text fertig und trotzdem leblos.

Das Problem ist selten dein Können. Es ist die Vorstellung, dass „geschrieben" auch „geschwollen" heißen muss. Die besten Texte tun das Gegenteil: Sie klingen wie ein guter Mensch, der dir gegenübersitzt und dir etwas erklärt, das ihm wichtig ist.

Gute Texte klingen nach einem Menschen

Niemand verliebt sich in eine Marke, weil sie korrekt formuliert. Menschen bleiben bei Stimmen, die sich echt anfühlen — bei jemandem, der Haltung hat und sie in eigenen Worten sagt. Genau das ist dein unfairer Vorteil gegenüber jedem austauschbaren Unternehmen: Du darfst klingen wie du.

Die folgenden fünf Regeln sind kein Stilhandbuch. Es sind die Zettel, die bei mir am Monitor kleben — und die ich jeder Kundin als Erstes mitgebe.

„Schreib nicht, um klug zu wirken. Schreib, um verstanden zu werden."

Fünf Regeln aus der Schreibwerkstatt

  1. 1
    Schreib, wie du redest.

    Lies jeden Satz laut vor. Wenn du ihn so nie sagen würdest, streich ihn. Dein gesprochener Ton ist dein bester Lektor.

  2. 2
    Ein Gedanke pro Satz.

    Wo ein Komma steht, passt oft ein Punkt besser. Kurze Sätze atmen. Sie geben dem Leser Zeit, dir zu folgen.

  3. 3
    Streich das Aufwärmen.

    Der erste Absatz ist meist nur Anlauf. Lösch ihn und schau, ob der Text nicht stärker beginnt. Meistens tut er das.

  4. 4
    Konkret schlägt klug.

    Statt „ich unterstütze dich ganzheitlich" sag, was du tust: „ich schreibe deine Verkaufsseite". Bilder bleiben, Floskeln verdampfen.

  5. 5
    Sag, was du meinst.

    Weichmacher wie „vielleicht", „eigentlich", „irgendwie" kosten dich Autorität. Streich sie — und dein Satz steht aufrecht.

Druck sie aus — wirklich

Du musst dir diese Regeln nicht merken. Du musst sie nur sehen, wenn du feststeckst. Nimm dir beim nächsten Text eine einzige davon vor — am besten Regel eins — und lies dir laut vor, was du geschrieben hast. Du wirst sofort hören, wo es hakt.

Schreiben ist kein Talent, das man hat oder nicht. Es ist eine Handvoll Entscheidungen, die du jedes Mal aufs Neue triffst. Triff sie klar — und deine Texte klingen endlich nach dir.

Bis bald, deine Nicole
Nicole Brühmann
Geschrieben von
Nicole Brühmann

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